baum

Sunday, November 27, 2005

Ablauf

Es war ein wunderschöner heisser Freitagnachmittag, an dem der Schatten der Bäume wohl den meisten sehr willkommen war. Gleichzeitig fand an diesem Nachmittag der Sponsorenlauf der PHR statt. Da sich viele daran beteiligten, waren wir schlussendlich eine kleine exklusive Gruppe.

Unser erstes Problem war: Wie erkläre ich einem Inuit, was ein Wald ist?


Wie soll ich das meinem Gegenüber versuchen zu erklären? Darf ich grün verwenden? Haben Inuit auch Feuer? Dann wäre es doch viel einfacher. Naja, der Versuch endete dann so, dass mein Gegenüber zu lachen begann. Eigentlich ja auch kein schlechtes Ergebnis.




Das Ziel des Nachmittages war, Bäume mit allen Sinnen zu erfahren. Wer hat schon einmal blind einen Baum ertastet und dann versucht eben diesen Baum mit den Augen wieder zu erkennen? Gar keine so einfache Sache. Kannst du immer sehen was du fühlst?





Unser erster Baum den wir besuchten, war die Linde. Was wissen wir alles über die Linde? Da wir einen Holzexperten, Herr A. dabei hatten, erfuhren wir sehr viel Interessantes, auch über die Bedeutung der Linde. Genauere Informationen zu den einzelnen Bäumen findet ihr in den separaten Posts zu jedem Baum.






Der zweite Baum den wir besuchten, war der Apfelbaum. Es gab feine Äpfel zum z’Vieri.










Unser Weg führte uns durch einen dunklen Tunnel. Es war sehr spannend. Das kann ich übrigens mit Schülern nur empfehlen. Wichtig ist einfach, dass man Kinder die Angst haben, nicht dazu zwingt, aber trotzdem versucht, sie auch zu fordern.
















Nach der Tunneldurchquerung kamen wir in den Wald oberhalb von Rorschach. Dort begegneten wir dem dritten Baum, der Buche. Die Buche gilt als Baum der Zeichensprache.


Eine Aktivität die man mit Kinder gut machen könnte zu diesem Thema wäre, mit feinen Ästen Botschaften oder Zeichen zu legen. Man könnte auch eine Schnitzeljagd dazu machen, bei der Zeichen gelegt werden müssen.
Mehr über die Buche könnt ihr im separaten Post nachlesen.






Als Abschluss besuchten wir die Fichte oder Rottanne, der einzige Nadelbaum an unserem Begegnungsnachmittag. Sie gilt als Baum des Lichts. Auf dem Bild seht ihr, wie wir ein Auch dazu findet ihr Interessante Informationen zum nachlesen.

Saturday, November 26, 2005

Lehrplanbezüge

Teilbereich Räume und Zeiten

Unterstufe Grobziele
Die nähere und weitere Lebensumgebung erkunden und sich darin auskennen. Zu den Schönheiten in der Lebensumgebung Sorge tragen, positive und negative Beispiele entdecken und benennen

Mittelstufe Grobziele
Landschaften und Lebensräume erkunden. Wechselbeziehungen zwischen den Menschen und ihren Lebensräumen aufzeigen und beurteilen

Teilbereich Natur und Technik

Unterstufe Grobziele
Pflanzen und Tiere einer Lebensgemeinschaft mit allen Sinnen wahrnehmen, benennen und nach äusseren Merkmalen unterscheiden
Natur mit allen Sinnen wahrnehmen

Mittelstufe Grobziele
Pflanzen und Tiere in ihren Lebensräumen erkunden und Zusammenhänge in Lebensgemeinschaften aufzeigen
Zusammenhänge in der Natur erkennen

Teilbereich Individuum und Gemeinschaft

Unterstufe Grobziele
Über Lebenserfahrungen und Lebensfragen reden
Gemeinschaftsfördernde Verhaltensweisen nennen, Zusammenarbeit und Gemeinschaft pflegen.

Mittelstufe Grobziele
Miteinander reden und arbeiten
Interesse am Erleben und Empfinden anderer zeigen

Teilbereich Religion

Unterstufe Grobziele
Hinter die Alltagsdinge sehen
Mit den Sinnen wahrnehmen
Über Alltagsfragen philosophieren

Friday, November 25, 2005

Wert des Anlasses für mich

Dieser Nachmittag hat mir wieder einmal mehr gezeigt, wie wichtig die Natur für uns ist und was sie für uns bedeutet. So ein Nachmittag, könnte ich mir gut vorstellen auch mal spontan mit einer Klasse zu machen, z.B. eine Geschichte erzählen unter einer Linde, dem Baum der Kommunikation oder eine Schnitzeljagd zur Buche, dem Baum der Zeichensprache….

Thursday, November 24, 2005

Weiterführende Links und Literatur

Links

www.wald.de

www.zzzebra.de

www.zebis.ch

Literatur

Kinderwerkstatt Bäume, Frommherz/ Biedermann, AT-Verlag
Naturerlebnis Wald – spielen, entdecken, geniessen, Niederberger, Rex Verlag

Tuesday, November 22, 2005

Fichte - Baum des Lichts

Standort und Botanik
- frei stehend kann Fichte zu einer weit sichtbaren Baumpersönlichkeit heranwachsen
- hat geraden Stamm, und Äste mit klaren Verzweigungsmustern
- Fichten gehören zu den höchsten Bäumen Europas, wegen rötlicher Borke wird Fichte auch Rottanne genannt
- Fichten, Rottannen und Tannen, Weisstannen werden im Volksmund oft als Tannen zusammengefasst
- Fichten und Tannen sind nahe verwandt, auch ihre Heilwirkungen sind ähnlich
- ein gutes Unterscheidungsmerkmal sind die Zapfen, bei der Fichte hängen sie herab, bei der Weisstanne stehen sie senkrecht auf den Ästen
- seit ca. 200 Jahren findet man Fichte auf allen Höhenlagen
- Fichtenwälder prägen oft vielerorts Landschaftsbild, Nachteile dieser Monokultur sind Übersäuerung des Bodens und damit erhöhte Gefahr von Schädlingsbefall

Allerlei zu Nutzen und Gebrauch
- Fichte produktiver Holzlieferant, wird als Bau- Möbel und Brennholz eingesetzt
- wegen Harzgehalt leicht entzündbar
- Fichtenholz wird auch zur Papierherstellung genutzt
- Fichten eignen sich als Klangholz gut für Geigen
- Gesundheitsmittel
- schon in Steinzeit kannte Menschen Heilkraft der Fichten, besond. bei Erkältungskrankheiten, Rheuma und Husten empfohlen
- Fichtenduft im Mittelalter als Heilmittel gegen Seuchen
- in Heilkunde hauptsächlich Nadeln und Harz wichtig
- junge Knospen werden im Frühjahr gesammelt, für das Pflücken braucht es Erlaubnis – niemals die oberen Äste und Spitzen nehmen
- Fichtennadeltee
- Fichten-Sirup
- Fichten-Harzsalbe > heilt wärmt, desinfizierend
- Dampfbad mit Fichtennadeln hilft bei Stirn- und Kieferhöhlenkatarrh, auch einreibemittel Rheuma

Schlüsselkompetenz: Entspannung, Leistungsbereitschaft, Ausgeglichenheit

- Fichte kann bei Stress, Nervosität, Angespanntheit, innerer Unruhe Entspannung bringen, sie kühlt und bewirkt Ruhe und Ausgeglichenheit
- bereits, wenn wir bei einer mögl. Einzelnen Fichte verweilen, spüren wir ihre Eigenschaften
- Räucherung mit Fichtennadeln hilft auch bei Stress,
- Fichtennadelbad> allgem Stärkung, durchblutungsfördernd
- belebendes Körperöl > bei Schwäche und Müdigkeit
Raumdüfte wirken beruhigend, erfrischend, stärkend

Räuchern
In allen Kulturen war das Räuchern ein wichtiges Ritual im Alltag des Menschen. Beim Räuchern werden duftende Substanzen in der Glut, auf heissen Steinen oder auf Räucherkohle verglüht. Es werden hauptsächlich Stoffe aus dem pflanzenreich geräuchert: Blätter, Blüten, Samen, Früchte, Harz, Holz. Die Räuchersubstanzen müssen immer in gut getrocknetem zustand verwendet werden. Das Räuchern spricht die Sinne vielfältig an. Es unterstützt die Entspannung, die Meditation, fördert Kreativität, gibt Kraft und Mut.
Räuchern im Freien: Substanzen auf flache, heisse Steine am Feuer legen oder auf Glut – nicht in offenes Feuer werfen.

Buche - Baum der Zeichensprache

Standort und Botanik
- Buche hat lange Vergangenheit
- liebt feuchtkühles Klima
- hat glatte, silbrige Rinde
- zu finden in Mischwäldern und reinen Buchenwäldern
- Buchen können 150 -300 Jahre alt werden
- hat im Sommer ausserordentlich dichtes Ast- und Blätterdach

Allerlei zu Nutzen und Gebrauch
- Buche hat heute keine grosse mediz. Bedeutung mehr
- früher in Volksheilkunde Rinde, Holz und Früchte zu Heilzwecken gebraucht
- Rinde wirkt zusammenziehend und entzündungswidrig
- ein aus Rinde zubereiteter Tee wirkt fiebersenkend
- Buchenasche desinfiziert
- bei Gersternkörnern: Kompresse aus Buchenblättertee aufs Auge, bei Wunden und eiternden Verletzungen; Paste aus Buchenasche und Johannisöl
- früher schlief man auf Säcken die mit Buchenlaub gefüllt waren, Duft wirkt beruhigend

Alter Speisebaum
- Buchenblätter früher Esslaub, für Menschen und Tiere
- frische, zarte Blätter als delikate Naturkost auf Brot in Salate oder Suppen
- Bucheckern im Herbst - nicht zuviel davon essen
- in Notzeiten war Öl aus Bucheckern gut haltbares Öl

Schlüsselkompetenz: Ausdrucksfähigkeit

Germanen schnitzten früher ihre Zauber- und Schriftzeichen auf Buchenstäbe, die zur Verständigung dienten
Schriftstücke bestanden aus zusammengesetzten Buchenbrettchen
Von den Buchenstäben leitet sich Wort Buchstabe und Buch ab
Althochdeutsch buoh > Buch, buohha> Buche

Der Buche wurde während Jahrhunderten die Fähigkeit zugeschrieben, Künftiges vorauszusehen. Buchenholzstäbchen mit eingeritzten Zauberzeichen wurden von Weisen benützt, um Zukunft zu weissagen
Die Runen, heilige Orakelzeichen, der alten keltischen Weisen wurden auf Buchenholzstäbchen eingeritzt

Buchenholz
- Ist robust langlebig
- früher: Wäscheklammern, Schüsseln, Kinderspielsachen daraus gemacht
- als Bauholz ungeeignet, da es nicht elastisch und wenig fäulnisresistent ist
- Buchenparkett

Buchenholz hat hohen Energiewert, ist hochwertiges Brennholz, einst in grossen Köhlereien und Glasbläsereien genutzt

Waschlauge
Anfallende Buchenasche wurde als Waschlauge verwendet -dazu Buchenasche mit lauwarmem Wasser übergiessen und öfters umrühren - nach einigen Std. wird alles durch engmaschiges Tuch gesiebt - die so gewonnene Lauge schäumt und reinigt wie Seifenlauge

Linde - Baum der Kommunikation

Standort und Botanik
- Linde wächst in ganz Europa bis Kleinasien, kann bis über 1000-jährig werden
- Linde ist besonders empfindlich gegenüber Abgasen

Bei uns 2 Arten: Sommerlinde (Tilia platyphyllos) und Winterlinde (Tilia cordata). Beide werden als Heilpflanzen genutzt.
- Sommerlinde blüht einige Wochen später als Winterlinde

Woran erkenne ich die Linde?
- an ihren duftenden Blüten (Juni/Juli), die mit einem Hochblatt verwachsen sind und birnenförmige Nussfrüchte bilden Flugsamen
- an ihren schief-herzförmigen Blättern (bei der Sommerlinde grösser und behaart, unterseits mit einem weisslichen Bärtchen in den Winkeln der Blattnerven)
- an der gefurchten, netzförmig aufgerissenen und schwärzlichen Rinde des Stammes

Wo kommen Linden vor?
- in Laubmischwäldern bis ca.1000 m Höhe, Winterlinde bis 1700m
- oft markante Einzelbäume in Alleen, Pärken und bei Häusern, oft als Dorfmittelpunkt gepflanzt („Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum..“ oder „Kein schöner Land in dieser Zeit…“) oder vor der Kirche. Kann sehr alt werden, tausend Jahre oder mehr

Linde als Baum der Liebe
- Lind bedeutet weich, biegsam, beweglich
- Walther von der Vogelweide: Liebeslager aus Heidekraut unter der Linde („Unter der Linden an der Heide, da unser beider Bette was..“)
- Freya, Göttin der Liebe, wurde von den Germanen in der Linde verehrt. Im Summen der Bienen und Hummeln hörten die Menschen Freya ihr Mittsommerlied summen.
- Tanzfeste unter Linden

Linde als Baum Kommunikationsplatz und Baum der Gerechtigkeit
- Thingplatz und Gerichtsbaum nordischer Völker. Angelegenheiten von öffentlichem Interesse wurden diskutiert und entschieden. Freyas Baum konnte bewirken, dass die Wahrheit ans Licht kam. Lindenduft sollte streitende Parteien versöhnen und Richter zu milderen Urteilen bewegen. Später wurden dann Kreuze oder Marienfiguren bei der Linde aufgestellt, um die heidnischen Erinnerungen auszulöschen…
- Hermann Hesse: Die drei Linden (Geschichte eines Linden-Urteils)

Linde als Schicksalsbaum
- Linde oft gepflanzt in Erinnerung an bestimmte Ereignisse, z.B. Friedenslinden auf Anhöhen nach Ende eines Krieges oder Lindenbaum zur Geburt des ersten Kindes,

Linden heute
- Durch Veränderung des sozialen Lebens ist die Linde kaum mehr Kommunikationsbaum – vielleicht noch im Sommer in Gärten von Gasthäusern. Wegen ihrer Empfindlichkeit gegen Abgase sind sie oft aus dem Bild der Städte verschwunden.

Was wird von der Linde genutzt?
- in den Wäldern unwichtig, Lindenholz ist nicht gefragt, da nicht als Nutz- und Bauholz verwendbar (zu weich, eben lind!), ebenso wenig als Brennholz,
- zum Schnitzen geeignet, weil weich, elastisch und glänzend: aus dem Lignum sanctum, wie Lindenholz genannt wurde entstanden die Heiligenstatuen alter Meister, aber auch Keltische Schilde, mit Bast verstärkt und eingeschnitzten Totemtieren oder abschreckenden Motiven, grell bemalt (daher auch das Wort schildern = bunt ausmalen)
- früher oft Lindenbast verwendet für Matten, Betten, Seile und Kleidungsstücke (bereits aus steinzeitlichen Pfahlbauten bekannt)
- grossartige Bienenweide – eine Linde hat bis 60000 Blüten! Lindenblütenhonig ist aromatisch.
- Lindenblüten als Heilpflanzen genutzt: enthalten schweisstreibende Glycoside, wird bei Fieber und Erkältungen eingesetzt. Wirkt krampflösend und beruhigend, schleimlösend und krampfstillend bei Husten. Auch bei Augenentzündungen kann eine Blütentee-Kompresse helfen. Lindenblütenbäder helfen bei Schlaflosigkeit. Gesammelt werden die Blüten, sobald sie offen sind, dann auf einem Tuch im Schatten getrocknet und gut verschlossen aufbewahrt.
- Lindenkohle ist eher in Vergessenheit geraten. Sie wirkt desinfizierend und kann Giftstoffe und Säure im Magen binden. Zu Zahnpulver verarbeitet reinigt, desinfiziert und stärkt Lindenkohle das Zahnfleisch.

Jeder Baum hat seinen eigenen Charakter. Menschen fühlen sich von bestimmten Bäumen mehr oder weniger angezogen.
Die Linde soll unruhigen, gehetzten Menschen Erholung bringen und unkonzentrierten, zerfahrenen Menschen zu innerer Stille und Sammlung verhelfen. Ausprobieren!!