Standort und Botanik
- Linde wächst in ganz Europa bis Kleinasien, kann bis über 1000-jährig werden
- Linde ist besonders empfindlich gegenüber Abgasen
Bei uns 2 Arten: Sommerlinde (Tilia platyphyllos) und Winterlinde (Tilia cordata). Beide werden als Heilpflanzen genutzt.
- Sommerlinde blüht einige Wochen später als Winterlinde
Woran erkenne ich die Linde?
- an ihren duftenden Blüten (Juni/Juli), die mit einem Hochblatt verwachsen sind und birnenförmige Nussfrüchte bilden Flugsamen
- an ihren schief-herzförmigen Blättern (bei der Sommerlinde grösser und behaart, unterseits mit einem weisslichen Bärtchen in den Winkeln der Blattnerven)
- an der gefurchten, netzförmig aufgerissenen und schwärzlichen Rinde des Stammes
Wo kommen Linden vor?- in Laubmischwäldern bis ca.1000 m Höhe, Winterlinde bis 1700m
- oft markante Einzelbäume in Alleen, Pärken und bei Häusern, oft als Dorfmittelpunkt gepflanzt („Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum..“ oder „Kein schöner Land in dieser Zeit…“) oder vor der Kirche. Kann sehr alt werden, tausend Jahre oder mehr
Linde als Baum der Liebe
- Lind bedeutet weich, biegsam, beweglich
- Walther von der Vogelweide: Liebeslager aus Heidekraut unter der Linde („Unter der Linden an der Heide, da unser beider Bette was..“)
- Freya, Göttin der Liebe, wurde von den Germanen in der Linde verehrt. Im Summen der Bienen und Hummeln hörten die Menschen Freya ihr Mittsommerlied summen.
- Tanzfeste unter Linden
Linde als Baum Kommunikationsplatz und Baum der Gerechtigkeit- Thingplatz und Gerichtsbaum nordischer Völker. Angelegenheiten von öffentlichem Interesse wurden diskutiert und entschieden. Freyas Baum konnte bewirken, dass die Wahrheit ans Licht kam. Lindenduft sollte streitende Parteien versöhnen und Richter zu milderen Urteilen bewegen. Später wurden dann Kreuze oder Marienfiguren bei der Linde aufgestellt, um die heidnischen Erinnerungen auszulöschen…
- Hermann Hesse: Die drei Linden (Geschichte eines Linden-Urteils)
Linde als Schicksalsbaum- Linde oft gepflanzt in Erinnerung an bestimmte Ereignisse, z.B. Friedenslinden auf Anhöhen nach Ende eines Krieges oder Lindenbaum zur Geburt des ersten Kindes,
Linden heute- Durch Veränderung des sozialen Lebens ist die Linde kaum mehr Kommunikationsbaum – vielleicht noch im Sommer in Gärten von Gasthäusern. Wegen ihrer Empfindlichkeit gegen Abgase sind sie oft aus dem Bild der Städte verschwunden.
Was wird von der Linde genutzt?
- in den Wäldern unwichtig, Lindenholz ist nicht gefragt, da nicht als Nutz- und Bauholz verwendbar (zu weich, eben lind!), ebenso wenig als Brennholz,
- zum Schnitzen geeignet, weil weich, elastisch und glänzend: aus dem Lignum sanctum, wie Lindenholz genannt wurde entstanden die Heiligenstatuen alter Meister, aber auch Keltische Schilde, mit Bast verstärkt und eingeschnitzten Totemtieren oder abschreckenden Motiven, grell bemalt (daher auch das Wort schildern = bunt ausmalen)
- früher oft Lindenbast verwendet für Matten, Betten, Seile und Kleidungsstücke (bereits aus steinzeitlichen Pfahlbauten bekannt)
- grossartige Bienenweide – eine Linde hat bis 60000 Blüten! Lindenblütenhonig ist aromatisch.
- Lindenblüten als Heilpflanzen genutzt: enthalten schweisstreibende Glycoside, wird bei Fieber und Erkältungen eingesetzt. Wirkt krampflösend und beruhigend, schleimlösend und krampfstillend bei Husten. Auch bei Augenentzündungen kann eine Blütentee-Kompresse helfen. Lindenblütenbäder helfen bei Schlaflosigkeit. Gesammelt werden die Blüten, sobald sie offen sind, dann auf einem Tuch im Schatten getrocknet und gut verschlossen aufbewahrt.
- Lindenkohle ist eher in Vergessenheit geraten. Sie wirkt desinfizierend und kann Giftstoffe und Säure im Magen binden. Zu Zahnpulver verarbeitet reinigt, desinfiziert und stärkt Lindenkohle das Zahnfleisch.
Jeder Baum hat seinen eigenen Charakter. Menschen fühlen sich von bestimmten Bäumen mehr oder weniger angezogen.
Die Linde soll unruhigen, gehetzten Menschen Erholung bringen und unkonzentrierten, zerfahrenen Menschen zu innerer Stille und Sammlung verhelfen. Ausprobieren!!